Unterwegs nach Elmina – ein Unterrichtstag zwischen Strand, Begegnungen und Geschichte
Heute hieß es für uns: Früh raus aus den Federn! Bereits um 6 Uhr klingelte der Wecker und beendete unsere wohlverdiente Nachtruhe. Einige von uns hatten es tatsächlich geschafft, ganz von allein pünktlich aufzustehen. Bei anderen musste noch ein wenig nachgeholfen werden. Schließlich wartete ein langer und aufregender Tag auf uns.
Mit gepackten Rucksäcken, festen Schuhen und ordentlich Sonnencreme ging es zunächst zum Restaurant. Pünktlich um 7 Uhr saßen wir beim Frühstück und stärkten uns mit Pancakes, Cornflakes oder Oatmeal für unser heutiges Abenteuer: eine ausgedehnte Wanderung entlang der Küste in Richtung Elmina.
Kurz vor 8 Uhr waren wir startklar. Unsere beiden Guides Prince Arthur und Kouame gaben uns noch einige wichtige Hinweise für den bevorstehenden Weg. Dann konnte es endlich losgehen. Vor uns lagen viele Kilometer Strand, spannende Begegnungen und jede Menge Gelegenheiten, etwas über das Leben an der ghanaischen Küste zu erfahren.
Und tatsächlich entwickelte sich unsere Wanderung schon bald zu einem ganz besonderen Unterrichtstag – ganz ohne Klassenzimmer, Schulbücher oder Tafel.
Unsere erste Unterrichtsstunde: Geschichte zum Anfassen. Bereits unterwegs erfuhren wir von unseren Guides viel Interessantes über die Geschichte der Region, ihre Bewohnerinnen und Bewohner und das Leben entlang der Küste. Spannende Erzählungen begleiteten uns direkt an den Orten, an denen sich dieses Leben seit Generationen abspielt.
In unserer zweiten Unterrichtsstunde beschäftigten wir uns mit dem traditionellen Bootsbau. Wir lernten, wie Fischerboote entstehen und wie viel handwerkliches Geschick und Erfahrung dafür notwendig sind. Besonders deutlich wurde dabei, welche Bedeutung die Fischerei für die Menschen in den Küstengemeinden hat.
Die dritte Unterrichtsstunde wurde dann besonders praktisch: Wir erfuhren, wie die schweren Fischerboote gemeinsam aus dem Wasser an den Strand geschoben werden. Dabei wurde schnell klar, dass hier nicht nur Kraft, sondern vor allem gute Zusammenarbeit gefragt ist. Teamwork ist eben nicht nur auf Klassenfahrt wichtig! Manche von uns packten direkt mit an und halfen, ein Boot zu schieben. Andere beobachteten das Treiben gespannt.
In unserer vierten Unterrichtsstunde stand die Begegnung mit Schülerinnen und Schülern aus der Region auf dem Programm. Wir lernten die Kinder kennen und erhielten einen kleinen Einblick in ihren Alltag. Ein kurzes gemeinsames Spiel brachte uns einander näher. Als kleines Dankeschön überreichten wir ihnen unsere Müsliriegel, über die sie sich sehr freuten. Es war eine schöne Gelegenheit, miteinander in Kontakt zu kommen und über den eigenen Schulalltag hinauszuschauen.
Beim Verlassen des Geländes fiel uns auf, dass wir weder einen gestalteten Pausenhof noch einen Spielplatz gesehen hatten. Das beschäftigte uns: Wie könnte man den Außenbereich gestalten? Welche Spielmöglichkeiten wären denkbar? Schon unterwegs sammelten wir erste Ideen, wie sich solche Vorhaben umsetzen ließen.
Währenddessen führte uns unser Weg immer weiter entlang der Küste. Die Sonne begleitete uns, der Sand machte das Laufen nicht unbedingt leichter und unsere Beine erinnerten uns zunehmend daran, dass Wandern am Strand durchaus anstrengender sein kann, als es zunächst aussieht. Trotzdem hielten wir gemeinsam durch, machten neue Entdeckungen und sammelten viele Eindrücke.
Nach mehr als zweieinhalb Stunden und fast zehn Kilometern hatten wir es schließlich geschafft. Gegen 10:45 Uhr erreichten wir das Ende unserer Wanderstrecke. Die letzten Kilometer bis zum Elmina Castle legten wir dann doch lieber mit dem Bus zurück. Unsere Füße hatten sich diese kleine Pause redlich verdient.
Nun meldete sich auch unser Hunger deutlich zu Wort. Nach diesem langen Marsch schmeckten unsere mitgebrachten Chicken- und Egg-Sandwiches besonders gut. Wir stärkten uns, ruhten uns kurz aus und machten uns anschließend bereit für den nächsten Höhepunkt des Tages: Geschichtsunterricht an einem ganz besonderen Ort.
Bei einer etwa einstündigen Führung erkundeten wir Elmina Castle und erfuhren viel über seine bewegte und bedrückende Geschichte. Die 1482 von den Portugiesen errichtete Festung zählt zu den ältesten europäischen Bauwerken südlich der Sahara. Ursprünglich spielte sie eine wichtige Rolle im Handel mit Gold, später wurde sie zu einem bedeutenden Ort des transatlantischen Sklavenhandels.
Wir besichtigten verschiedene Bereiche der Festung und lernten, unter welchen unmenschlichen Bedingungen versklavte Menschen dort gefangen gehalten wurden, bevor sie über den Atlantik verschleppt wurden. Besonders die dunklen Verliese und die sogenannte „Door of No Return“ machten uns nachdenklich. Wir erfuhren außerdem, wie die europäischen Kolonialmächte die Region beeinflussten und welche Spuren diese Geschichte bis heute hinterlassen hat.
Dieser Teil unseres Ausflugs war weniger fröhlich als die bisherigen Erlebnisse, dafür aber umso eindrucksvoller. Geschichte direkt vor Ort zu erleben, ließ uns vieles besser verstehen und regte uns zum Nachdenken an.
Nach unserer Führung ging es mit dem Bus zurück nach Ko-Sa Beach. Dort hatten wir eigentlich nur noch einen Wunsch: Raus aus den Wanderschuhen, rein in die Badesachen und ab ins Meer!
Nach fast zehn Kilometern Strandwanderung und so vielen neuen Eindrücken hatten wir uns diese Abkühlung wirklich verdient. Wir schwammen, tauchten, spielten und genossen das erfrischende Wasser. Unsere müden Beine freuten sich besonders darüber, endlich einmal nicht mehr laufen zu müssen.
Doch auch nach unserer ausgiebigen Schwimmpause war der Tag noch nicht vorbei. Schließlich wartete noch ein wenig Arbeit auf uns. Also ging es zurück an unsere „Schreibtische“ unter Palmen. Unsere Klassenzeitung wollte weitergestaltet und unsere Tagebücher mit den vielen Erlebnissen des Tages gefüllt werden. Und zu erzählen und aufzuschreiben hatten wir inzwischen wirklich mehr als genug.
Anschließend hieß es noch schnell: Zimmer aufräumen und Lunchboxen auswaschen. Denn auch heute stand die Zimmerinspektion auf dem Programm. So schön das Leben am Strand auch ist – ein bisschen Ordnung muss schließlich sein.
Nachdem diese Aufgaben erledigt waren, konnten wir uns endlich auf das Abendessen freuen. Heute gab es leckeren Jollof Rice mit Chicken. Nach unserem langen, bewegungsreichen Tag ließen wir es uns besonders gut schmecken.
Frisch gestärkt stellten wir uns der nächsten Herausforderung: Das Geheimnis von Ko-Sa Beach ging in eine neue Runde.
Noch immer versteckten sich zwei Saboteure mitten unter uns. Doch unsere Ermittlungen machten Fortschritte. Zwei weitere Missionen standen auf dem Programm, und beide konnten wir erfolgreich abschließen. Dafür erhielten wir zwei neue Hinweise, die uns bei der Suche nach den geheimnisvollen Saboteuren weiterhalfen.
Durch geschicktes Kombinieren konnten wir erneut zwei Personen aus unserer Mitte von der Verdächtigenliste streichen. Der Kreis wurde also langsam kleiner. Doch wer führte uns weiterhin an der Nase herum? Und wem konnten wir tatsächlich vertrauen? Die Diskussionen blieben spannend.
Zum Abschluss des Abends spielten wir noch eine Runde Charades, bei der Begriffe pantomimisch dargestellt und erraten werden mussten. Normalerweise sorgt dieses Spiel für jede Menge Gelächter und kreative Einfälle. Heute merkten wir allerdings ziemlich schnell, dass unsere Energiereserven nach diesem langen Tag allmählich aufgebraucht waren. Manche Darstellungen wurden immer fantasievoller, während unsere Fähigkeit, die richtigen Begriffe zu erraten, mit zunehmender Müdigkeit deutlich nachließ.
Also hieß es schließlich: Ab auf die Zimmer!
Ganz ruhig wurde es dort allerdings noch nicht sofort. In kleinen Gruppen tauschten wir uns über die Erlebnisse des Tages aus und diskutierten weiter über unsere möglichen Saboteure. Wer könnte es sein? Welche Hinweise hatten wir bisher gesammelt? Und welche Verdächtigungen mussten wir inzwischen überdenken?
Doch irgendwann gewann die Müdigkeit auch gegen den größten Ermittlungsdrang. Nach fast zehn Kilometern Wanderung, spannenden Begegnungen, einer eindrucksvollen Geschichtsstunde, ausgiebigem Schwimmen und weiteren geheimnisvollen Missionen fielen uns schließlich die Augen zu.







