Geschichte zum Anfassen: Ein Jahr auf dem Bauernhof
Wie lebten Bauern im Mittelalter – und was bedeutete es eigentlich, von einem Grundherrn abhängig zu sein? In der heutigen Doppelstunde Geschichte der Klassen 7/8 wurde diese Frage nicht nur mit Texten und Bildern untersucht, sondern zunächst ganz praktisch erlebt.
Im Mittelpunkt stand das Simulationsspiel „Ein Jahr auf dem Bauernhof“. In kleinen Teams übernahmen die Schüler die Rolle mittelalterlicher Bauernfamilien. Sie mussten ihre begrenzte Arbeitszeit zwischen dem eigenen Hof und dem Frondienst auf dem Herrenland aufteilen, Teile ihrer Ernte als Abgaben an den Grundherrn, als Zehnt und für die Nutzung der Mühle abgeben und zugleich genügend Getreide für Nahrung und die nächste Aussaat sichern.
Dabei zeigte sich schnell, wie unsicher die Lebensbedingungen sein konnten: Schlechte Witterung, Krankheit oder zusätzlicher Frondienst konnten die sorgfältige Planung eines Haushalts erheblich verändern. Eine gute Ernte wiederum verschaffte etwas Spielraum. Gerade durch diese spielerische Perspektive wurden Begriffe wie Grundherrschaft, Frondienst, Abgabe, Zehnt und Herrenland unmittelbar verständlich.
Nach der Simulation wurde das eigene Spielerlebnis kritisch überprüft. Ein kurzer Film über das Leben der Bauern im Mittelalter sowie historische Bildquellen und Sachtexte halfen dabei, das Modell mit der historischen Wirklichkeit zu vergleichen. Denn auch das gehörte zur Stunde: Ein Spiel kann Zusammenhänge anschaulich machen, bildet Geschichte aber immer nur vereinfacht ab.
Besonders wichtig war deshalb die Frage: Waren Bauern im Mittelalter grundsätzlich unfrei? Die Schüler arbeiteten heraus, dass wirtschaftliche Abhängigkeit und persönliche Unfreiheit nicht dasselbe bedeuteten. Nicht alle Bauern hatten denselben rechtlichen Status, und Rechte, Pflichten und Belastungen unterschieden sich je nach Ort und Zeit.
So verband die Doppelstunde handlungsorientiertes Lernen mit Quellenarbeit, historischem Denken und begründetem Urteilen. Geschichte wurde dabei nicht nur gelesen, sondern im Modell erfahren, hinterfragt und gemeinsam erklärt.








