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Geschichte verstehen, Sprache stärken – jede Stunde ist auch eine Deutschstunde

Verfasst am 23. September 2026
Geschichte verstehen, Sprache stärken – jede Stunde ist auch eine Deutschstunde

Im Geschichtsunterricht der Klasse 9 ging es in dieser Woche nicht nur darum, historische Zusammenhänge zu verstehen, sondern auch darum, sie sprachlich präzise auszudrücken. Denn an der Deutschen Internationalen Schule Accra gilt gerade in sprachsensiblen Fächern ein wichtiger Grundsatz: Jede Unterrichtsstunde ist auch eine Deutschstunde.

Inhaltlich beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit der „Heimatfront“ im Ersten Weltkrieg. Im Mittelpunkt standen Fragen nach der Versorgung der Bevölkerung, Veränderungen in der Arbeitswelt und Produktion, der Kriegswirtschaft sowie den gesellschaftlichen Folgen des langen Krieges. Dabei wurde schnell deutlich: Viele Entwicklungen lassen sich nicht isoliert betrachten. Rohstoffmangel beeinflusste die Produktion, der Krieg veränderte den Arbeitsmarkt, Versorgungsprobleme wirkten sich auf den Alltag der Menschen aus – und aus einzelnen Faktoren entstand ein komplexes Geflecht von Ursachen und Folgen.

Um dieses Geflecht sichtbar und zugleich sprachlich greifbar zu machen, kam ein Werkzeug aus dem sprachsensiblen Fachunterricht nach Josef Leisen zum Einsatz: das Blockdiagramm.

Die Schülerinnen und Schüler entnahmen zunächst zentrale Informationen aus den Unterrichtsmaterialien, ordneten diese thematisch und stellten anschließend Beziehungen zwischen einzelnen Entwicklungen her. Pfeile und Verbindungen im Blockdiagramm machten sichtbar, was Ursache, Folge oder wechselseitige Beeinflussung war.

Der entscheidende Schritt folgte danach: Aus der grafischen Struktur mussten wieder vollständige historische Aussagen werden. Aus einem Pfeil zwischen „Mangel an Arbeitskräften“ und „mehr Frauen in der Produktion“ wird beispielsweise ein sprachlich formulierter Zusammenhang. Fachbegriffe, passende Konnektoren und Satzmuster helfen dabei, Beobachtungen nicht nur zu benennen, sondern zu erklären und zu begründen.

So wird Deutschförderung nicht zu einer zusätzlichen Aufgabe neben dem Fachunterricht. Sie findet mitten im Fach statt. Die Schülerinnen und Schüler lernen Geschichte, indem sie lesen, ordnen, Zusammenhänge erkennen, diskutieren und schreiben – und entwickeln dabei gleichzeitig ihre bildungs- und fachsprachlichen Fähigkeiten weiter.

Gerade für eine internationale Lerngruppe ist dieser Ansatz besonders wichtig: Fachliche Anforderungen werden nicht reduziert. Stattdessen erhalten die Lernenden sprachliche Werkzeuge, mit denen sie zunehmend selbstständig komplexe Inhalte erschließen und ausdrücken können.

Das Blockdiagramm war damit weit mehr als eine Methode zur Ergebnissicherung. Es wurde zur Brücke zwischen historischem Denken und sprachlichem Lernen – ganz nach unserem Grundsatz:

Jede Geschichtsstunde ist auch eine Deutschstunde.